6. November 2016

Hallo, Frau Nachbarin


Zwischen zwei Türen stehend erlebt man doch die unterschiedlichsten Menschen. Auch ich mache diese Erfahrung nun immer öfter. Und bewusster. Bevor ich in diese Siedlung zog war ich noch unwissend. Nichstahnend. Der Geruch der frisch gestrichenen Wände und nagelneuen Parkettboden stieg mir in die Nase. Der Moment an dem ich die Zusage erhielt, völlig zersaut und im Schlabberlook auf der Couch, fühlt sich noch genauso an wie vor einem halben Jahr.
Jedenfalls - hat hiermit ein neuer Abschnitt begonnen. Den Schlüssel in der Hand. Aufgeschlossen. Wohnung betreten. Noch nie hatte irgendjemand anders hier gehaust. Niemand benutzte die Küchengeräte. Das Bad. Es war neu. Meins. Unsers.

Ja es sind fremde Eindrücke. Fremde Menschen. Die dennoch nett und zuvorkommend sind. Aber es gibt nun mal diejenigen mit denen man gut zurecht kommt - und andere. Die, die dir gerne dein Leben etwas aufmischen möchten. Auch die ältere Generation kann durchhaus Sympathie wecken. Kann.
In den langen Sommernächten in denen wir das ein oder andere gekühlte Bier genießen, gemütlich herumliegen und uns stundenlang unterhalten. Der Geruch von langen Nächten. Regen auf dem warmen Asphalt. Und plötzlich wird dieser Moment zerstört. Ein etwas anderer Geruch von "Zigaretten" steigt mir in die Nase. Ihr wisst. Ok, jedem das seine - denke ich mir - und verschwinde nach drinnen.

Der Unterschied zwischen alt und jung kann manchmal ganz schön anstrengend sein. So mühsam. Wieso müssen wir Jungen - abgesehen davon dass wir wirklich keine Kinder mehr sind - Rücksicht nehmen auf die ältere Generation? Wo fängt Rücksicht an? Wo fängt ein Störenfried an störend zu sein? Es gibt diese eine Art von Senioren - in meinem Falle die linke Haustüre. Ein älterer Herr, verwitwet. Unglaublich charmant, ein Mann der seine Frau jahrelang gepflegt hat. Weil er sie liebte. Und nun dennoch versucht alles Schöne im Leben zu genießen. Zu schätzen. Unsere "Generation" zu achten, zu verstehen - und dran teilzunehmen. Ein Senior, den es nicht stört wenn wir jungen Wilden mal etwas lauter mit unserem Besuch reden. Oder auch um 2:00 Uhr nachts noch auf den Balkon gehen. Diese Art von Rentnern empfinde ich als perfekt. Kein Genörgel. Nur Verständnis. Denn auch ich respektiere deren Leben. Und ich freue mich umso mehr, wenn ich mit unserem täglichen Wahnsinn auch sein Leben aufregender machen kann. Und ihn an unserem Humor und Geschichten teilhaben lasse.

Die anderen. Ja - Anders anders. Vielleicht sind sie neidisch? Oder verbittert? Weil sie alleine sind und die Wohnung nur mit den Katzen teilen kann. Ich weiß es nicht. Aber genau das ist der Punkt. Diese Menschen, die nichts im Leben mit sich anzufangen wissen. Diese Art Menschen. die das Leben anderer interessanter findet. Und mit einer Prise Lügen das Leben der Mitmenschen etwas aufmischt. Ist es normal jeden Schritt der Nachbarn zu analysieren? Dokumentieren?
Ist es so abnormal seinen Rollladen zu schließen oder ein Telefonat zu führen, das vielleicht 5 Dezibel über dem Maximalwert liegt? In ihrem Leben Ja. Ein klares Ja. Als wären diese Nörgeleien nicht genug, da fährt Frau Nachbarin ihre Krallen aus.

"Sie sind zu laut. Sie streiten sich um 5 Uhr morgens und reißen die Rollläden hoch."
"Ach, was machen Sie denn nachts? Das hörte sich an als würden Sie Ihre Möbel kurz und klein hauen"
"Sie und ihr ständiger Männerbesuch. Wir sind hier doch kein Puff!"

Wohw. Wenn eine Dame höheren Alters einer gestandenen Frau mittleren Alters diese Argumente liefert, da fasse ich mir an den Kopf. Wo bin ich gelandet? Wo ist meine weitere (in meinem Alter) Nachbarin gelandet! Das ging ihr zu weit. Das geht uns zu weit. Lass uns was tun - sofort.
Die halbe Flasche Rotwein geleert. Fragen über Fragen. Warum ist die Dame so wie sie ist?
Ich bin mir sicher. Sie hat ein Problem. Ein großes. Und kommt mit der Jugend nicht klar. Und das liegt nicht an durchzechten Nächten, Alkoholkonsume und Männerbesuchen. Nein! Dies liegt schlichtweg daran, dass ihr Leben vorbeizieht und sie nochmal jung sein möchte.

Der Gegensatz zweier Menschen könnte anders nicht sein. Ja, Frau Nachbarin - die Heuchlerin sind Sie. Nicht er.


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